Fledermäuse und Haare


Fast unausrottbar scheint der Aberglaube zu sein, dass Fledermäuse in die Haare fliegen. "Haarrafferl" ist ein österreichischer Dialektname für die Zwergfledermaus. Wenn sich eine Fledermaus in den Haaren verfängt, soll sie nach altem Volksglauben nur schwer, und dann unter Verlust der Haare, zu entfernen sein. Tiroler Mädchen, denen einmal eine Fledermaus in die Haare flog, mußten ledig bleiben. "Fledermaus, Fledermaus, rauf' mir nicht die Haare aus, laß mir meine Zöpfe steh'n, daß ich kann zum Tanze geh'n", dichteten die Mädchen in Mecklenburg. Doch nicht nur entgangenes Tanzvergnügen und Liebesentzug drohten nach Haarattacken. Man sollte sogar den "Wichtel" oder "Weichselzopf", eine zopfartige Verfilzung der Haare, davon bekommen und konnte daran sterben. Von Haarausfall bis zu eiternden Kopfwunden und Grind reichten die Scheußlichkeiten, die man durch Fledermausberühung auf dem Kopf, aber auch durch Fledermauskot oder -urin bekam. "Pissorato" heißt sie deshalb in Südfrankreich und ist bei uns als elbischer "Pißdämon" bekannt. Bei diesen der Fledermaus angedichteten Fähigkeiten lag es nach, Fledermausblut als Enthaarungsmittel zu verwenden.

 

Entnommen aus dem Buch "Fledermäuse - Fliegende Kobolde der Nacht" von Klaus Richarz und Alfred Limbrunner