"Schiessen, dabey zu treffen, was man will. Nehmet Herz und Leber von einer Fledermaus, thut es unter das Bley, wann man Kugeln gießt, so soll man treffen können was man will. Diß wäre ein herrliches Kunststück für die Jäger, schade, daß dieselbe nichts davon halten", steht in einem "Zauberlexikon" von 1759.
Die Treffsicherheit der Fledermäuse im Dunkeln sollte sich durch Schießzauber auf den Schützen übertragen. Hierzu würden nicht nur Fledermausorgane unters Blei gemengt oder vom Schützen mitgetragen und Fledermausaugen (die rechten) in Gewehrschäfte eingelegt, sondern als Gipfel der Grausamkeit auch lebende Fledermäuse samt Blei zu Kugeln gegossen.
Auch die Hexen hatten durch Fledermäuse ihren Vorteil. Ihr Flugvermögen erlangten sie durch Einreiben mit dem Flugfett, das sie aus Fledermäusen herstellten.
Sehr vielfältig ließen sich Fledermäuse in der Volksmedizin einsetzen. Schon PLINIUS wußte von ihrer Verwendung gegen verschiedene übel wie Darmentzündungen, Schlangenbiß, Hautverletzungen, Bauchschmerzen, Triefaugen und als Enthaarungsmittel. Letztere Indikation hängt sicher mit den haarlosen Flügelflächen der Fledermäuse zusammen. Weiterhin mußten Fledermäuse in der menschlichen Medizin herhalten gegen Erkrankungen der Augen bis hin zu Hühneraugen. Fledermausasche sollte die Bildung von Muttermilch fördern.
Die nachtaktiven Tiere galten als gute Mittel gegen Schläfrigkeit und Schlaflosigkeit. Selbst in die volkstümliche Tiermedizin fanden Fledermäuse Eingang. Eine an krankes Zugvieh gebundene Fledermaus sollte die Tiere von Schmerzen befreien. Die Zigeuner schwörten auf Fledermäuse als Heilmittel gegen Blähungen bei Pferden. Und schließlich heilte man im Mittelalter Beizhabichte, die an hinfallendem "Siechtag" (Epilepsie) litten, mit gekochten Fledermäusen, die sie fressen mußten.
Entnommen aus dem Buch "Fledermäuse - Fliegende Kobolde der Nacht" von Klaus Richarz und Alfred Limbrunner